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Umweltbelastung |
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| Neues Vorhaben der ZKW Otterbein und "Runder Tisch" mit der Gemeinde |
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Bürger befürchten gravierende Folgen für die Region
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"Ökologisch vielversprechend 'Umweltbeirat' wird er genannt, der zwischen Gemeindeverwaltung und Zement- und Kalkwerke Otterbein vereinbarte 'Runde Tisch', der zukünftig mindestens zweimal jährlich stattfinden soll. Transparenz und Vertrauen bei den Bürgern seien die Ziele des 'Runden Tisches', an dem auch Pro Lebensraum Großenlüder e.V. teilnehmen soll – zumindest nach Meinung von Bürgermeister Werner Dietrich und Winfried Müller, Geschäftsführer der ZKW Otterbein." So teilt es die Bürgerinitiative in einer Presseerklärung mit.
Für Pro Lebensraum Großenlüder stelle sich jedoch die Frage, was eine zur Schau gestellte Transparenz nutzt bei gleichzeitiger Zensur, die lediglich "auserwählte Worte" vom "Runden Tisch" in der Öffentlichkeit erlaube. Pro Lebensraum Großenlüder habe bereits öffentlich darauf hingewiesen, dass es den Teilnehmern an solchen "Runden Tischen" üblicherweise nicht erlaubt sei, Informationen an Dritte weiterzugeben. Das bedeute, die Teilnehmer dürfen Kritik dann nur noch im "Umweltbeirat" äußern, was möglicherweise auch Zweck dieses "Runden Tisches" sei, damit auch von der Bürgerinitiative nichts "Unerwünschtes" mehr an die Öffentlichkeit dringt. Bereits in einem anderen Verfahren habe die Bürgerinitiative der Gemeinde eine nachvollziehbare Begründung zu ihrer Nichtteilnahme an "Runden Tischen" abgegeben, die auch im Fall ZKW Otterbein gültig sei. Anders lautende öffentliche Behauptungen würden daran nichts ändern.
Für die Bürgerinitiative stelle sich auch die Frage, was das mit Transparenz zu tun hat, wenn das neue Vorhaben der ZKW Otterbein nicht als "Absenkung der Abbausohle um weitere 21 Meter" angekündigt werde, sondern als "Tieferlegung des Abbaus unserer Kalksteinlagerstätte". "Mit dieser harmlos klingenden Umschreibung ist jüngst die Bevölkerung zu einer Informationsveranstaltung anlässlich des neuen Vorhabens geladen worden", teilt die Bürgerinitiative weiter mit. Auf den Gedanken, dass es um die weitere Absenkung der Abbausohle im bestehenden Steinbruch geht, die noch dazu in direktem Zusammenhang mit dem Grundwasser der Region steht, komme dabei wohl kaum jemand – und diese Annahme liege nahe, würden offensichtlich schon jetzt beträchtliche Mengen kostbaren Grundwassers durch den Kalksteinabbau verschwendet.
Im Steinbruch der ZKW Otterbein bilde Grundwasser und, in Abhängigkeit der Witterung, Niederschlagswasser bereits einen großen See, genannt "Pumpensumpf". Darüber liege der Bürgerinitiative eine schriftliche Bestätigung des Regierungspräsidiums Kassel vor. Über ein vorhandenes Pumpsystem werde das für die Produktion nicht benötigte Wasser aus dem See über einen Graben zum "Sesselgraben" abgeleitet, der in die Lüder mündet. Gemäß dem Schreiben betrage der genehmigte Einleitungsabfluss der ZKW Otterbein derzeit 20 Liter/Sekunde.

Die nahe liegende Erklärung für das hohe Grundwasseraufkommen auf dem Betriebsgelände der ZKW Otterbein sei, dass die Abbausohle des Steinbruchs bereits jetzt unterhalb seines natürlichen Grundwasserspiegels liegt. Seit April 1999 sei den ZKW Otterbein die Absenkung der Abbausohle auf 272 Meter über Normalnull (ü NN) genehmigt. Nach Angaben des Gemeindevorstands in 1995 betrage der natürliche Grundwasserspiegel im Steinbruch etwa 293 Meter ü NN. Demnach liegt die Abbausohle bereits jetzt etwa 21 Meter unter dem natürlichen Grundwasserspiegel vor Ort und das Grundwasser ist bereits stark abgesenkt.

Bei einer weiteren Absenkung der Abbausohle auf insgesamt etwa 42 Meter unter dem Grundwasserspiegel und der einhergehenden weiteren Entwässerung könne mit gravierenden Folgen gerechnet werden. Befürchtungen bestehen vor allem im Hinblick auf die Menge und Qualität des Grundwassers in der gesamten Region. Die Entleerung der Grundwasserstöcke und die Verlagerung der Wasserscheiden gelten nach Angaben des BUND Nordrhein-Westfalen als Folgen der Entwässerung im Tagebau, die weit über das direkte Umfeld des Abbaugebietes reichen.
Auswirkungen kann dies laut dem Naturschutzverband auch auf betroffene FFH-Gebiete haben, die vom vorhandenen Grundwasserangebot leben. Nach Angaben von Pro Lebensraum Großenlüder befinden sich in naher Nachbarschaft zu den ZKW Otterbein die FFH-Gebiete "Kalkberge bei Großenlüder" und "Altefeld", ein Fluss, der ursprünglich auch durch den im direkt betroffenen Gebiet entspringenden "Hölzerbach" gespeist werde. Die mögliche Entstehung von Wasserwegsamkeiten aufgrund der Beeinflussung der tektonischen Störungen berge unkalkulierbare Risiken. Zahlreiche Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit belegten dies durch unerwartete Wassereinbrüche im Tagebau. Eine Verschlechterung der Grundwasserqualität sei durch die geplante Absenkung der Abbausohle ebenfalls zu befürchten. Gründe dafür lägen in der Zerstörung schützender geologischer Trennschichten und ausgeglichener Druckverhältnisse, die die Ausbreitung von Schadstoffen in tiefere Bereiche und Grundwasserleiter fördern.
Außerdem bestehen aufgrund der geplanten Absenkung des Steinbruchs Bedenken bei der Bevölkerung hinsichtlich der Standfestigkeit der umliegenden Hänge sowie der benachbarten Grundstücke und Gebäude. Diese Bedenken seien leicht nachvollziehbar, da sich in einem Hang am Abbaugebiet bereits eine tiefe Kluft gebildet habe, die sich weitreichend in die Erde erstrecke. Festgestellt worden sei dies durch einen Riss, der sich an der Erdoberfläche über einem Abschnitt der Kluft befinde, und der sich gemäß regelmäßiger Beobachtung der Bevölkerung zusehends erweitere.

Nach Auskunft der Bürgerinitiative beabsichtigen von daher einige Bürger aus den benachbarten Ortsteilen die Einholung gutachterlicher Stellungnahmen zu ihren Immobilien.
NACHTRAG: Zwischenzeitlich hat die Gemeindeverwaltung einen Fehler eingeräumt und wird sich nach Angabe des Bürgermeisters selbst auch darum kümmern, dass die falsche Aussage, eine Teilnahme der BI am "Runden Tisch" sei festgelegt, in den Medien korrigiert wird. |
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Aktualisiert 16.07.10 |
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